Ein Projekt des Olympiazentrum Vorarlberg

Zyklusstörungen bei Leistungssportlerinnen

In einer Metastudie, die 2023 veröffentlicht wurde (Taim et al., 2023) wurden die Ergebnisse aus 60 Studien mit insgesamt 6380 Teilnehmerinnen hinsichtlich der Prävalenz von Zyklusstörungen und Zyklusrelevanten Symptomen bei Sportlerinnen untersucht. Zu den Menstruationszyklus-Störungen gehörten Amenorrhoe, Anovulation, Dysmenorrhoe, Hypermenorrhoe, Oligomenorrhoe, prämenstruelles Syndrom (PMS) und prämenstruelle Dysphorie (PMDD). Dabei wurden nur die Athletinnen berücksichtig, die keine hormonelle Verhütung nahmen.

Zu den häufigsten Zyklusstörungen gehört die Dysmenorrhoe (Auftreten von schmerzhaften Regelblutungen, die zuvor ohne Schmerzen waren). Im Mittel gaben 32,3% der Athletinnen (Spanne 7,8 – 85,6%) an unter scherzhaften Monatsblutungen mit Krämpfen zu leiden. Ein größerer Anteil der Sportlerinnen berichtete über Symptome während der ersten Tage der Menstruation im Vergleich zur prämenstruellen Phase. Die Daten lassen jedoch keine Aussagen hinsichtlich Anovulatorischer Zyklen zu. Hier ist die Dunkelziffer sehr hoch und ließe sich nur über eine höhere Qualität der Studien abschätzen. Hierzu sollte, auch in der Trainingspraxis, eine strukturierte langfristige Zyklusüberwachung eingeführt werden, in der ein lückenloses Zyklusmonitoring, inklusive Aufzeichnungen zum Blutungsbeginn, der Blutungsdauer und der Symptome während des Zyklus vermerkt werden. Idealerweise führen die ab Tag 8 nach der Blutung Athletinnen Ovulationstests durch, um den Zeitpunkt des Eisprungs zu dokumentieren. So ließen sich Zyklusstörungen und/ oder Zyklusabhängige Symptome frühzeitig erkennen und behandeln.

LITERATUR:

Taim, B. C., Catháin, C. Ó., Renard, M., Elliott-Sale, K. J., Madigan, S., & Chéilleachair, N. N. (2023). The Prevalence of Menstrual Cycle Disorders and Menstrual Cycle-Related Symptoms in Female Athletes: A Systematic Literature Review. Sports Medicine, 53(10), 1963–1984. https://doi.org/10.1007/s40279-023-01871-8

BEGRIFFSERKLÄRUNGEN

Primäre Amenorrhoe: Ausbleiben der Menstruation bis zum Alter von 15 Jahren
Sekundäre Amenorrhoe: Ausbleiben der Regelblutung (länger als 3 Monate)
Anovulation: Ausbleiben des Eisprungs – bei ansonsten regelmäßigem Zyklus
Dysmenorrhoe: schmerzhafte Regelblutung
Hypermenorrhoe: sehr starke Menstruationsblutung mit einem Blutverlust von mehr als 80 ml
Oligomenorrhoe: zu seltene Regelblutung, bei der sich der Gesamtzyklus auf 35-90 Tage verlängert
PMS: prämenstruelles Syndrom ist eine wiederkehrende Störung der Lutealphase und geht mit Reizbarkeit, Angst, Gemütsschwankungen, Depressionen, Ödemen, Brustschmerzen und Kopfschmerzen einher, die 5 Tage vor Einsetzen der Menses eintreten und danach innerhalb von Stunden aufhören

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